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Wie sich Coronavirus, Grippe und Erkältung unterscheiden

Wie sich Coronavirus, Grippe und Erkältung unterscheiden

Die wachsende Zahl an Patienten, die sich in Deutschland mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 angesteckt haben, macht vielen Menschen Angst. Könnte ich mich auch infiziert haben? Bei einem Vergleich sprechen bestimmte Merkmale für Corona und erlauben eine erste Unterscheidung von der Grippe oder einer Erkältung. Endgültige Klarheit schafft jedoch nur ein Labortest.

SARS-CoV-2 oder Covid-19?

Inzwischen erhielt der Erreger den offiziellen Namen SARS-CoV-2, vormals war er als 2019-nCoV bekannt. Die Erkrankung, die dieses Virus auslöst, wird als Covid-19 bezeichnet (Abkürzung für Corona Virus Disease 2019).

Einen typischen Verlauf bei Covid-19 gibt es nach aktuellem Kenntnisstand nicht: Die Symptome sind vielfältig und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Lungenentzündungen mit Lungenversagen.

Husten und Fieber sind häufige Symptome

In einem Bericht im Fachjournal The New England Journal of Medicine haben chinesische Wissenschaftler 1099 Erkrankungsfälle aufgrund einer SARS-CoV-2-Infektion aus verschiedenen Provinzen in China genauer untersucht. Alle dieser Patienten waren im Krankenhaus behandelt worden. Während ihres Aufenthalts entwickelte sich bei über 91 Prozent eine Lungenentzündung und knapp 90 Prozent der Patienten hatten Fieber, 68 Prozent (trockenen) Husten, 19 Prozent litten unter Kurzatmigkeit und 38 Prozent unter Fatigue. Über Kopfschmerzen klagten 14 Prozent, Durchfall trat bei knapp 4 Prozent auf. Infektionen mit dem neuen Coronavirus können jedoch auch mild bis symptomlos verlaufen. Das betrifft vor allem Kinder: Einer weiteren Studie aus China zufolge stecken sich junge Menschen zwar genauso häufig wie Erwachsene mit SARS-CoV-2 an, entwickeln aber kaum Symptome.

Ein noch etwas genaueres Bild liefert eine Auswertung der ersten 72.314 Covid-19-Fälle in China, die Ende Februar im Fachjournal JAMA veröffentlicht wurde. Diesen Daten zufolge verlief die Erkrankung in 81 Prozent der Fälle mild. 889 der 72.314 ausgewerteten Fälle wurden zwar positiv getestet, zeigten aber keine Krankheitssymptome. Allerdings können auch asymptomatische Patienten das Virus übertragen.

Deutsche Forscher, die nach dem Covid-19-Ausbruch im Landkreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen über 900 Personen getestet hatten, kamen zu dem Ergebnis, dass die Infektion sogar bei etwa 22 Prozent komplett ohne Symptome verläuft. Das auffälligste Symptom, das bei sehr vielen der Patienten aus Heinsberg auftrat, war ein mehrtägiger Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns.

Symptomvergleich im Überblick

Symptom Covid-19 Grippe/Influenza Erkältung
Fieber +++++ +++++ ++
trockener Husten +++++ +++++ ++++
Atemnot ++ +
verstopfte/laufende Nase + +++ +++++
Halsschmerzen ++ +++++ +++++
Kopfschmerzen ++ +++++ +++
Gliederschmerzen ++ +++++ +++
Geruchs- und Geschmacksverlust +++ + +
Durchfall + + +
Ausschlag an Füßen od. Händen +
allgemeine Schwäche ++++ ++++ ++
schwerer Verlauf ++ +

© aponet.de
(nach Robert Koch-Institut, wissenschaftlicher Literatur, Expertenaussagen; Angaben bieten ungefähre Größenordnungen)

Hautveränderungen bei Kindern

In einigen Fallberichten, vor allem aus Norditalien, zeigten sich bei einer Corona-Infektion auch Hautveränderungen, zum Teil schon einige Zeit bevor andere Symptome auftraten. Meist waren die Füße, manchmal auch die Hände betroffen. Anfangs sei es immer eine rötlich-violette oder bläuliche Verfärbung, danach treten Blasen auf und später schwärzliche Verkrustungen. Innerhalb von zwei Wochen heilen die Hautmanifestationen in der Regel vollständig aus. In den meisten Fällen waren Kinder und Jugendliche betroffen.

Die Inkubationszeit, also der Zeitraum von der Ansteckung bis zum Beginn der Erkrankung, wird derzeit auf durchschnittlich fünf bis sechs Tage geschätzt. Die angegebene Spannweite reicht von einem bis zu 14 Tagen. Unklar ist zurzeit noch, wie lange ein mit SARS-CoV-2 infizierter Mensch andere anstecken kann.

Covid-19 verläuft oft in Schüben

Eine weitere Beobachtung aus der Praxis ist, dass Covid-19 in Schüben verläuft. „Vom Beginn der Symptome an dauert es etwa eine Woche, bis der Patient Atemnot entwickelt“, berichtet Dr. Holger Neb, Intensivmediziner an der Universitätsklinik in Frankfurt am Mai, im Juni 2020 auf dem Fortbildungskongress pharmacon, der in diesem Jahr digital stattgefunden hat. Bemerkenswert sei, dass die Sauerstoffsättigung des Bluts in der Regel bereits vorher abgenommen habe. Diesen stillen Sauerstoffmangel bemerkten die Patienten nicht; er sei aber von außen erkennbar, da die Betroffenen blaue Lippen hätten.

Danach vergehe oft noch etwa eine Woche, bis die Patienten ins Krankenhaus kämen und von da an noch einmal anderthalb Wochen, bevor sie künstlich beatmet werden müssten. „Diese Verschlechterung ist aber kein Muss“, betonte Neb. Nur etwa 10 Prozent der Infizierten würden schwer krank und etwa 5 Prozent intensivpflichtig.

Wie hoch liegt die Sterberate?

Laut Aussage des Robert Koch-Instituts (RKI) traten Todesfälle bisher vor allem bei Patienten auf, die älter waren und/oder zuvor an chronischen Grunderkrankungen litten. Etwa 2 Prozent der nachweislich an Covid-19 Erkrankten verstarben. Die Studiendaten in JAMA präzisieren das: Die Sterberate bei den 70- bis 79-Jährigen lag bei 8,0 Prozent und bei den Über-80-Jährigen bei 14,8 Prozent. In der Gruppe der Kinder bis neun Jahre gab es keine Todesfälle.

Laut einer aktuellen Studie, an der Wissenschafter aus Österreich, Kanada und den Vereinigten Arabischen Emiraten beteiligt waren, liegt die weltweite Sterberate von durch Labortests bestätigten Cvoid-19-Fälle bei rund 4,7 Prozent. In die Studie eingeflossen sind 480.000 bestätigte Covid-19-Fälle. Allerdings reicht die Bandbreite von etwa 0,3 bis 0,4 Prozent in Chile und Israel bis zu rund 10,8 Prozent in Italien.

Auch Daten aus Südkorea geben mit etwa 0,8 Prozent eine erheblich niedrigere durchschnittliche Sterberate an. Experten halten diese Zahl für genauer, da Südkorea sehr umfangreich auf das Coronavirus testet. Dadurch fließen auch Fälle infizierter Personen ohne erkennbare Krankheitszeichen in die Statistik ein, während in anderen Ländern vornehmlich die offensichtlich Erkrankten erfasst werden. Auch die Daten der Heinsberg-Studie weisen auf eine niedrigere Sterberate hin: Bei den untersuchten 900 Fällen lag die Sterberate nur bei 0,37 Prozent.

Im Vergleich dazu schätzt das RKI die Sterberate bei einer Grippe insgesamt momentan als geringer ein. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Grippe zu sterben, liege bei 0,1 bis 0,2 Prozent.

Auch bei der Ansteckungsrate gibt es Unterschiede. Aktuelle Modelle der SARS-CoV-2-Ausbreitung schätzen eine Grundreproduktionszahl (R0) von 2,2. Das bedeutet, dass eine infizierte Person durchschnittlich 2,2 andere Personen mit dem Virus ansteckt. Dieser R0-Wert ist höher als bei der saisonalen Influenza. Dort liegt er unter 2.

Was tun bei Covid-19-Verdacht?

Das RKI rät Betroffenen, bei Erkältungssymptomen telefonisch ärztlichen Rat einzuholen und nach einem Test fragen, wenn folgende Kriterien zutreffen:

  • man in den letzten zwei Wochen Kontakt hatte zu einem Erkrankten, bei dem im Labor eine Covid-19-Diagnose gestellt wurde,
  • Vorerkrankungen bestehen oder die Atemwegserkrankung schlimmer wird (Atemnot, hohes Fieber etc.)
  • man bei der Arbeit oder ehrenamtlichen Tätigkeit mit Menschen in Kontakt kommt, die ein hohes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf haben (z.B. im Krankenhaus oder der Altenpflege)

Schon bevor das Testergebnis vorliegt, sollte man sich selbst isolieren, sprich: zu Hause bleiben, Abstand zu anderen Personen halten (mindestens 1,5 Meter), eine gute Händehygiene einhalten und bei Kontakt zu anderen zusätzlich eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.

Grippe startet schnell

Von den Symptomen her sind Grippeerkrankungen oft schlecht von Infektionen mit dem neuen Coronavirus zu unterscheiden. Beide verursachen Anzeichen von Atemwegserkrankungen, können aber auch symptomlos verlaufen. Typisch für eine Influenza-Infektion, also eine Grippe, sind neben trockenem Husten und plötzlich einsetzendem, oft hohem Fieber auch ein starkes Krankheitsgefühl sowie Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Die Inkubationszeit der Grippe ist kurz, laut RKI beträgt sie 1 bis 2 Tage.

Erkältung verläuft schleichend

Leichter abzugrenzen sind dagegen banale Erkältungen. Dabei treten die typischen Symptome wie Halsschmerzen, Schnupfen, schleimiger Husten, leicht erhöhte Temperatur, Abgeschlagenheit und leichte bis mäßige Kopfschmerzen meist schleichend über mehrere Tage auf. Oft schmerzt zunächst nur der Hals, der Husten kommt in der Regel erst später dazu. Man fühlt sich zwar krank, aber nicht so vollkommen kraftlos wie bei einer echten Grippe.

NK/RF

Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag wird regelmäßig nach dem wissenschaftlichen Kenntnisstand aktualisiert.

Quellen:
Robert Koch-Institut
DOI 10.1056/NEJMoa2002032
DOI 10.1101/2020.03.03.20028423
DOI 10.1001/jama.2020.2648

 

Quelle: aponet.de